Die Tätigkeit unseres Vereins ist nicht
allein fachspezifisch ausgerichtet, sondern ganz wesentlich auch vom Bemühen
geprägt, das "Steinsuchen" als einen der historischen und kulturellen
Schätze aus der "Schatzkammer Hohe Tauern" zu retten, hinüber
in die Zeit nach der internationalen Anerkennung des Nationalparks "Hohe
Tauern."
Das Ergebnis unserer Vereinsaktivitäten wird deshalb öfters auch als
der "Salzburger Weg" bezeichnet. Am besten sichtbar wird der Schwerpunkt
unserer Vereinsarbeit daher, wenn ich diesen "Salzburger Weg" etwas
näher vorstelle.
Der Anfang dieses Weges liegt in der zweiten
Hälfte der Achtzigerjahre. Vor dieser Zeit war die Situation in der Tauernregion
etwa so:
Abgesehen von Ausnahmen, die es ja überall gibt, war Steinsuchen im Salzburger
Land seit Menschengedenken eine doch ehrenwerte Freizeitbeschäftigung.
Wurde einer zu morgendlicher Stunde, ausgerüstet mit dem Steinsucherwerkzeug,
auf dem Weg in die Hohen Tauern angetroffen, so war aus dem Unterton der Frage:
"Gehst in die Stoa (Steine)?", Achtung und Anerkennung heraus zu hören.
Es war ja seit ewigen Zeiten so: Wie man seit jeher zum Jagen ging, zum Beeren- und Pilzesammeln, hat man eben auch nach Kristallen gesucht. Bereits eine Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende alte Tradition hatte das Mineraliensammeln in der Tauernregion. Im Unterbewusstsein der Menschen schien die Erkenntnis gespeichert zu sein, diese Sammlertätigkeit hätte sich nicht so lange gehalten, wenn sie nicht ihren Sinn hätte.
Wohl auch deshalb, weil der Überlebenskampf der Bewohner in der Tauernregion, zumindest bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, immer sehr hart war, dürfte es Ehrensache geblieben sein, wenn einer durch eine Sammeltätigkeit sogar noch in seiner kargen Freizeit etwas zum Überleben der Seinen beitrug.
Gefundene Kristalle veräußerte der Steinsucher aber in der Regel nur, wenn ihn die Not dazu zwang. Der Finder war - und so ist es auch heute noch - stolz auf seine kristallinen Fundstücke; seine Familie betrachtet sie als ehrenwerten Familienbesitz. Man wußte, dass der Steinsucher nur erfolgreich sein kann, wenn er keine Mühen scheut, wenn er bergtauglich, erfahren im Auffinden von Kristallklüften und mit Fachwissen ausgestattet ist.
Ja - so war es, etwa bis zum Jahr 1986!
In diesem Jahr hat in der Tauernregion in gewisser Weise ein neues Zeitalter begonnen. Das Nationalparkgesetz war beschlossen, und man war eifrig bemüht, den Nationalpark "Hohe Tauern" einzurichten.
In der Kernzone des Nationalparks war nun das Mineraliensammeln auf wissenschaftliche Zwecke beschränkt, was einem Sammelverbot gleichkam. Es dauerte auch nicht lange, und es wurde ein Mineralienfund behördlich beschlagnahmt! Die Meinung der Verantwortlichen für Naturschutz und Nationalpark über die Mineraliensammler war sehr negativ geprägt. Nicht selten fielen Worte, wie Raubbau und Naturzerstörer, wenn über die Mineraliensammler gesprochen wurde.
Vergessen war damals die Tatsache, dass es nur deshalb möglich war, einen Nationalpark hier einzurichten, weil es die Bewohner dieser Gebirgsregion über Jahrhunderte hindurch verstanden hatten, im Einklang mit der Natur zu leben. Die Euphorie über die neue Idee, einen Nationalpark einzurichten, erzeugte eine gewisse Blindheit für Altbewährtes.
Und so stand bei uns bald außer Zweifel: Wenn wir das Mineraliensammeln in unseren heimatlichen Bergen retten wollen, gilt es, den wahren Wert des altbewährten "Steinsuchens" der Bevölkerung und vor allem den Verantwortlichen für Nationalpark und Naturschutz, wieder voll bewusst zu machen.
Die MINERALIEN-INFO, unsere jährliche Paradeveranstaltung, wurde zum Hauptinstrument für dieses Bemühen. Bei dieser jährlichen Informationsschau stellen wir nicht nur die mineralogischen Neufunde des Vorjahres aus dem Land Salzburg aus, auch zum Sprachrohr unseres Herzensanliegens ist diese Veranstaltung geworden.
Es galt auszusprechen, was den Wert des
Mineraliensammelns ausmacht. Nachfolgend einige unserer Argumente:
· Weder Mensch, Tier, noch Pflanzen können ohne Minerale leben.
Mineralogische Forschung ist daher wichtig. Auch kommen jährlich viele
Feriengäste nur oder auch wegen der "Steine" in unsere Region
und bestaunen die herrlichen Kristalle in den Museen und privaten Schausammlungen.
· Aber weder die Träger der einschlägigen Wissenschaft, noch
die Träger der Museen könnten ein flächendeckendes Mineraliensammeln
finanzieren.
· Ohne Mineraliensammler gäbe es daher keine einzige Schausammlung
in einem öffentlichen Museum, und auch die Wissenschaft wäre um manche
Erkenntnis ärmer, würden ihr die Mineraliensammler als unterstützende
Partner fehlen.
· Die Natur selbst zerstört kristallisierte Mineralien durch Oberflächeneinwirkungen
wie Frost, Felsbruch, Erdrutsch und Lawinen wieder, wenn sie nicht vorher geborgen
werden.
· Kristallisierte Mineralien aufzuspüren und zu bergen, das Mineraliensammeln,
ist daher angewandter Naturschutz, wenn diese Tätigkeit sinnvoll und sachgemäß
ausgeführt wird, was wir als selbstverständlich ansehen.
· Die Mineraliensammler tragen weder den sauren Regen, noch die Stickoxyde
auf die Berge; sie zerstören auch keine Ökosysteme.
· Es steht auch außer Zweifel: Kristallisierte Mineralien sind
zu den schützenswerten Natur- und Kulturgütern eines Landes zu zählen.
· Das Land Salzburg und seine Hauptstadt haben von einem Mineral, dem
Salz, ihren Namen. Viele historische Bergbaue gab es im Land Salzburg. Davon
zeugen heute noch viele Details unserer Volkskultur. Die "Steine"
haben somit unser Bundesland, seine Menschen und ihre Kultur, wesentlich mitgeprägt.
· Nicht nur Mozart allein, auch die Bergkristalle aus den Hohen Tauern,
das Salz, die Epidote von der Knappenwand, das Tauerngold und die Smaragde aus
dem Habachtal, haben das Land Salzburg in aller Welt mit berühmt gemacht.
· "Steinsuchen" berührt uns bis in unsere Seele hinein.
Das geht soweit, dass der Begriff Heimat im Land Salzburg, besonders in den
Gebirgsgauen, sicher nicht definiert werden kann, ohne auch die Menschen zu
nennen, die auf den Bergen nach Kristallen suchen.
Soweit ein Auszug aus der Vielzahl unserer
Argumente für den Wert des Mineraliensammelns.
Wie schaut nun die Erfolgsbilanz unserer Bemühungen aus, haben wir uns
doch über einen Zeitraum von etwa anderthalb Jahrzehnte hindurch konsequent
dafür eingesetzt, dass das erforderliche Bewußtsein für den
wahren Wert des "Steinsuchens" in der Öffentlichkeit wieder entfacht
wird.
Wie die folgenden Beispiele zeigen, ist diese Bilanz positiv:
· Seit mehr als einem Jahrzehnt läuft bereits ein wissenschaftliches Projekt, im Rahmen dessen ca. 150 heimische Mineraliensammler unter bestimmten Auflagen auch in der Kernzone des Nationalparks Mineralien sammeln dürfen. Dieses Projekt wurde gerade erst im Jahr 2002 um weitere 5 Jahre verlängert. Gleiches gibt es in Kärnten und Tirol, den beiden anderen Nationalpark-Bundesländern, nicht.
· Die gegenseitige Wertschätzung ist wieder hergestellt. Fünf verdiente Vereinsfunktionäre und zwar Gerhard Fischer, Albert Strasser, Rudolf Buttinger, Erich Urbanek und Josef Papp, sowie Erwin Burgsteiner, für sein Buch "Kristallschätze - Mineraliensammler im Oberpinzgau" wurden im Jahr 2002 mit dem Kulturgüterpreis des Landes Salzburg ausgezeichnet. In der Begründung dazu heißt es unter anderem: "In teils jahrzehntelanger Arbeit haben die Mineraliensammler den Grundstock dafür gelegt, dass heute Wissenschafter und Museen, über international anerkannte Schausammlungen verfügen."
· Gleichfalls im Jahr 2002 hat über unser Ersuchen der Landeshauptmann von Salzburg, Herr Dr. Franz Schausberger, zur Frage des Mineraliensammelns im Nationalpark schriftlich Stellung genommen. Er hat uns in einem Brief Folgendes mitgeteilt: "Das Mineraliensammeln besitzt im Land Salzburg eine große Tradition. Als Landeshauptmann von Salzburg liegt mir die Erhaltung unserer Tradition besonders am Herzen. So ist das Mineraliensammeln im gesamten Land Salzburg und bei den Leuten hoch anerkannt. Die internationale Anerkennung des Nationalparks wird deshalb auch keine weitere Einschränkung des Mineraliensammelns bewirken. So sollen die Mineraliensammlervereine weiter bestehen und dazu beitragen, dass die Menschen wissen, welche Schätze die Hohen Tauern beherbergen."
Über diese positive Entwicklung freuen
wir uns sehr. Unser Beispiel zeigt, die "Steinsucher" können
auch erfolgreiche Philosophen sein; es führt zum Erfolg, wenn sie für
den Schutz eines allgemein gültigen Wertes kämpfen.
In diesem Sinne dürfen wir abschließend anmerken, dass wir uns natürlich
über jedes neue Mitglied freuen, denn je stärker unser Verein ist,
desto erfolgreicher können wir für den Erhalt des "Steinsuchens"
in der Nationalparkregion und auch für alle sonstigen berechtigten Interessen
der Mineraliensammler eintreten. Näheres dazu unter "Mitgliedschaft
beantragen." Weiter Informationen über die Aktivitäten unseres
Vereins unter "Veranstaltungen im laufenden Jahr" und unter, "Aktuelles."
Der Vereinsvorstand