Kristalle im Gasteiner Tal
- Stephan Weghofer, Bad Gastein
Nach
nicht langem, aber relativ steilem Aufstieg, kam ich über einen Wildwechsel in
den ausgesetzten Graben. Unter einem kleinen Felsabsatz, der aus dem Waldboden
schaute, fiel mir ein kleiner chloritisierter Brocken auf. Kluftanzeichen fand
ich aber keine. Der Stein musste aber heruntergefallen sein.
Deshalb
versuchte ich, irgendwelche Anzeichen über sein Herkommen zu finden. Durch
einen Zufall gelang es mir. Als ich nämlich etwa 10 Meter oberhalb dieser
Stelle den Hang querte und mich mit der Hand im steilen Gelände abstützte,
spürte ich durch die Fichtennadeln hindurch eine glatte Fläche. Was für ein
Zufall, beinahe wäre ich daran vorbei gegangen! Mit den Händen beseitigte ich
die ersten Nadeln und hielt tatsächlich einen 10 cm langen chloritisierten,
leider nicht perfekten Bergkristall in meinen Händen.
Nach
und nach kamen immer mehr Quarze zum Vorschein; die meisten waren aber ohne
Spitze und stark chloritisiert. Man konnte an den Bruchstellen eine gute
Qualität der Kristalle, die noch kommen könnten, erahnen. Und wie ich es mir
erhofft hatte, kamen noch einige unversehrte Kristalle an diesem Tag zum
Vorschein. Wenige Tage später schneite es und ich musste die weitere Suche auf
dieses Jahr verschieben.
Es
dauerte lange, bis wir die Fundstelle erreichten, denn unsere Kondition war
über die Wintermonate etwas schwächer worden. Wir begutachteten die Stelle
genauer und versuchten den Waldboden bergwärts aufzugraben. Es war schon
komplett schneefrei und auch der Boden war nicht mehr gefroren. Immer wieder
kamen Quarzscherben zu Tage. Schließlich glaubten wir den Klufteingang gefunden
zu haben, denn Chlorit und Quarze häuften sich. Lockeres, richtig ausgelaugtes,
klüftiges Material mit etwas Hämatit konnte leicht entfernt werden. Etwa 3
Meter oberhalb der Stelle, wo ich angefangen hatte, führte die Kluft hinein. In
etwa 2 Meter Tiefe zeigte sich an der linken Kluftwand Lehm. Ein gutes
Anzeichen - hofften wir zumindest. Franz hatte ich zuvor noch nie so arbeiteten
gesehen. Unsere Erwartungen stiegen, als wir schließlich einen richtigen
Chloritsack öffneten.
Auf
einmal hielt mir Franz einen schönen Bergkristall aus dem Loch entgegen.
Während ich die ersten Kristallflächen vom gröbsten Dreck säuberte, reichte mir
Franz auch den zweiten Teil des Kristalls, denn er war im Laufe der Jahre
zerbrochen. Trotz der guten Anzeichen konnten wir nur noch einen einzigen weiteren
Kristall finden.
Außer
einem leider zerbrochenen großen Kristall und wenigen kleineren, dafür aber
sehr schönen Kristallen, konnten wir noch einige Skelettquarze bergen.
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Stephan Weghofer