Glück in der Grieswies/Rauris

Matthias und Norbert Daxbacher, Rauris

Die Brüder Daxbacher gehören zur jungen, begeisterten Generation der Rauriser Steinsucher. Einer ihrer ersten Funde brachte sie in die mineralogischen Schlagzeilen – sie entdeckten 1997 die herrlichen, intensiv-violetten Amethyste in der Rauris. Nach vielen anderen Funden machten sie heuer gleich zu Beginn der Sammlersaison in der viel besuchten Grieswies einen tollen Glücksgriff.

Die beiden Finder berichten:
„So wie jedes Jahr zog es uns im Frühjahr in die Grieswies. Das Gebiet ist bekannterweise sehr abgesucht, daher entschlossen wir uns, mit dem Seil unser Glück zu versuchen. In einer etwa 70 Meter hohen Wand entdeckten wir mit dem Fernglas eine Quarzader. Wir richteten eine gute Verankerung ein und Matthias seilte sich zu dieser Stelle ab, die sich im oberen Teil der Wand befand. Hier konnte er einige Bergkristalle bergen. Weil die Kluft aber schmal war und bald zu Ende ging, seilte er sich weiter ab. Im unteren Drittel der Wand stieß er zu seiner Überraschung auf eine offene Kluft. Diese Kluft schien leer zu sein, lediglich an der rechten Seite lag fest gepresster Chloritsand. Hier begann er zu arbeiten und bald kamen einige Kristallbruchstücke zum Vorschein. Nachdem Matthias schon einige Stunden im Klettersitz in der Wand verbracht hatte, wechselten wir uns ab.
Als ich zu unserem luftigen Arbeitsplatz kam, bemerkte ich knapp oberhalb der Kluft einen alten verrosteten Felshaken. Ich konnte mir schon vorstellen, wer hier schon einmal vorbeigeschaut hatte, aber vielleicht etwas zu früh das Handtuch geworfen hatte.
Nun widmete ich mein ganzes Interesse aber dem Chloritsack in der Kluft. Bald zeigten sich größere, aber nicht sehr schöne Bergkristalle. Nach intensiver, schweißtreibender Arbeit, die sehr schwierig ist, wenn man frei in der Luft pendelt und keinen Boden unter den Füßen hat, barg ich die ersten ausgezeichneten, bis 20 Zentimeter langen Bergkristalle. Eine Reihe von erstklassigen Stücken konnte ich voller Freude in den Rucksack packen und da die Kluft ideal aufgerissen war, konnten wir auch von der Kluftdecke noch schöne Stufen lösen. Wir seilten uns noch mehrere Male zur Kluft ab. Im Chloritsand lagen auch noch Rutile bis zu 5 cm Länge und 3 mm Dicke, die aber meist beschädigt waren. Calcite gehörten auch noch zur Paragenese dieser Kluft.
Beim monatlichen Treffen unserer Ortsgruppe (Stoahucka) im Gasthof Neuwirt zeigten wir unsere Fundstücke. Es stellte sich bald heraus, dass unsere Vermutung, wer den Felshaken zurückgelassen hatte, richtig war. Der nahm´s aber mit viel Humor, immerhin hatte er nun seinen alten Haken wieder. Alle versammelten Stoasucher hatten ebenfalls Grund zum Lachen, und es wurde noch ein außergewöhnlich lustiger Abend.

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